Modell betrieblicher Gesundheitsinterventionen

Der Ansatz systemischer organisationaler Veränderung in betrieblichem Gesundheitsmangement (SOC-OH)

Der Ansatz systemischer organisationaler Veränderung in betrieblichem Gesundheitsmangement (SOC-OH: Systemic Organizational Change in Occupational Health) basiert auf empirischen Befunden der Sozial- und Organisationspsychologie sowie der Managementwissenschaften. Dabei wird davon ausgegangen, dass Unternehmen sozio-technische komplexe Systeme sind, die der Erfüllung verschiedener Zwecke (z. B. Herstellung von Produkten) dienen. Da Unternehmen zielgerichtet konzipiert sind, besteht der Bedarf, die Handlungen der einzelnen Systemkomponenten zu koordinieren.

Der Ansatz bietet eine strukturierte Vorgehensweise, anhand deren die Anpassung der Organisation an gesundheitsbezogene Maßnahmen ermöglicht werden soll. Grundpfeiler des Ansatzes sind:

  1. innerbetriebliche Verhandlungsprozesse: Was soll implementiert werden? Wer ist dafür verantwortlich?
  2. inner- und außerbetriebliche Rahmenbedingungen: Produkte, Supply Chain Management, Arbeitsschutzgesetze
  3. Formulierung und Erreichung von Zielen: Reduktion von Arbeitsunfähigkeitstagen, Verringerung des Krankenstandes
  4. Anpassung von betrieblichen Prozessen: Berücksichtigung von Qualitätsmanagementsystemen, Entscheidungsfindung, Kommunikationsstrategien
  5. Konkretisierung der Maßnahmen: Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung, spezifische Workshops für Angestellte und/oder Führungskräfte, Anpassung von Schichtsystemen, usw.

Die Rolle von Gesundheit in betrieblichen Prozessen

Für die einzelnen Unternehmen ist die Gesundheit der Beschäftigten eine notwendige Bedingung für jede Art Wertschöpfungsprozess. Dabei beschränkt sich die Bedeutung von Gesundheit nicht nur auf die betriebswirtschaftlichen Kosten der Arbeitsunfähigkeitstage, sondern schließt ebenso zentrale Prozesse wie Innovation, Produktentwicklung und Qualitätssicherung ein.

Diese Zusammenhänge lassen sich im Rahmen eines prozessorientierten Managementansatzes konzeptualisieren. Wie es der Abbildung unten zu entnehmen ist, stehen auf der Inputseite von Unternehmensprozessen die Nachfrage nach Produkten oder Dienstleistungen sowie der Gesundheitszustand der Beschäftigten. Diese Input-Faktoren setzen innerbetriebliche Produktionsprozesse in Gang, die sich auf der Output-Seite direkt oder indirekt auf den Gesundheitszustand der Beschäftigten auswirken können.

Darüber hinaus sind Wertschöpfungsprozesse und gesundheitsbezogene Prozesse (obere bzw. untere Prozessschleife in der Abbildung unten) derart eng miteinander gekoppelt, so dass Produkt- und Dienstleistungsqualität vom Gesundheitszustand der Beschäftigten direkt oder indirekt abhängen.

Gesundheitsgerechte Arbeitsgestaltung

Die enge Verzahnung zwischen Arbeitsprozessen und Gesundheit hat zur Folge, dass die angemessene Beseitigung bzw. Verringerung arbeitsbedingter Gefährdungen notwendigerweise auch mit Veränderungen der Arbeitsgestaltung einhergehen muss. Dies erfordert wiederum eine vertiefte Analyse der typischen Bedingungen, unter denen Arbeitsaufgaben erledigt werden.

Vor diesem Hintergrund sind Aspekte wie soziale Beziehungen (z. B. Unterstützung von Kollegen und Vorgesetzten, Führungsverhalten), Arbeitszeit, Arbeitsmenge, Strukturierung von Arbeitsaufgaben, Gruppenarbeit sowie die Hauptziele der Unternehmensstrategie von zentraler Bedeutung.

Literatur

  • Montano D (2016) Certifying leaders? High-quality management practices and healthy organisations: an ISO-9000 based standardisation approach. Ind Health 54:324-336.
  • Montano D (2018) A systemic organizational change approach in occupational health management. In Vorbereitung.

Autor: Diego Montano

Prozessorientiertes Managementsystem und betriebliche Gesundheit. Quelle: Montano (2018).