Gesundheitsorientierte Führung

Führung als Gruppenphänomen

Mitarbeiterführung ist in betriebswirtschaftlichen Aktivitäten eins der wichtigsten Gruppenmerkmale, das sich aus der Rollenzuweisung innerhalb von Arbeitsgruppen ergibt. Selbst wenn im alltäglichen Sprachgebrauch Führung eher mit der Führungsperson in Verbindung gebracht wird, entspricht sie im sozialpsychologischen Sinne dem sozialen Verhältnis zwischen Führungskraft und Geführten.

Im Rahmen betrieblicher Gesundheitsinterventionen spielt das Führungsverhältnis eine Schlüsselrolle zur Initiierung, Koordinierung sowie Umsetzung gesundheitsbezogener Maßnahmen. Darüber hinaus ist Führung selbst eine wesentliche Komponente der Arbeitsorganisation, die mit gesundheitlichen Gefährdungen sowie Ressourcen einhergehen kann.

Führung und Gesundheit

Aktuelle Befunde der Sozial- und Organisationspsychologie weisen auf bedeutsame Zusammenhänge zwischen Führung und Gesundheit hin. Ein auf sozialemotionale Bedürfnisse orientiertes Führungsverhalten ist beispielsweise positiv mit Wohlbefinden und Mitarbeiterleistung in Zusammenhang gebracht worden. Soziale und fachliche Unterstützung sowie eine strukturierte Aufgabengestaltung seitens der Führungskraft hängen mit niedrigen Niveaus von arbeitsbedingtem Stress oder Burnoutsymptomen zusammen. Im Gegenteil dazu bestätigen empirische Studien, dass die sogenannte destruktive Führung, die durch aggressives und rücksichtsloses Verhalten charakterisiert werden kann, bei den Mitarbeitern zu höheren Stressniveaus und affektiven Symptomen wie Depressivität führen kann.

Bedeutung von Führung für das betriebliche Gesundheitsmanagement

Im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements und jeder Gesundheitsintervention sind die strategische sowie die Mitarbeiterführung tragende Säule für die Umsetzung gesundheitsbezogener Maßnahmen. Vor dem Hintergrund des SOC-OH Ansatzes nimmt Führung eine steuernde Rolle zwischen Produktions- oder Dienstleistungsprozessen und den Gesundheitsprozessen in der Organisation (s. Abbildung unten). Führungskräfte sind somit an der Schnittstelle zwischen den klassischen Managementfunktionen wie Kontrolling, Budgetierung und Arbeitskoordination und den gesundheitsbezogenen Funktionen des Arbeitsschutzes und der gesundheitsgerechten Arbeitsgestaltung.

Literatur

  • Montano D (2016) Certifying leaders? High-quality management practices and healthy organisations: an ISO-9000 based standardisation approach. Ind Health 54:324-336.
  • Montano D, Reeske A, Franke F et al. (2017) Leadership, followers' mental health and job performance in organizations: A comprehensive meta-analysis from an occupational health perspective. J Organ Behav 38:327-350.
  • Montano, D, Gündel, H, Rothermund, E (2018) Evidenzbasierte Empfehlungen zu gesundheitsorientierter Führung als betriebswirtschaftliche Managementfunktion. Erschienen in www.forum-wirtschaftsethik.de/category/dossiers/fuehrung/.

Autor: Diego Montano

Abbildung. Prozessorienterte Qualitätsmanagementssystem und betriebliche Gesundheit. Angelehnt an Montano (2016).