Forschungsprojekte

Gesund führen – Körpersignale bei Führungskräften

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    Einführung einer 24h-Messung, Auswertung und Beratung zur Herzratenvariabilität bei Führungskräften

    Ansprechpartner: Dr. med. Elisabeth Balint

    Die Führungskräfte – unser Ziel

    Gute Führung dient u.a. dem Erhalt der Gesundheit der Mitarbeiter. Sie beinhaltet die Fähigkeit, Belastungen und Ressourcen wahrzunehmen – beim Mitarbeiter, aber auch bei sich selbst. Wir wollen die Führungskräfte unterstützen, ihre persönlichen Ressourcen und Belastungen wahrzunehmen, in Zusammenhang mit ihrem Körper und ihrer Gesundheit zu bringen und motivieren, mit sich selbst wohlwollend umzugehen. Die Eigenwahrnehmung und den Umgang mit sich selbst sehen wir als Grundlage für die Wahrnehmung des Mitarbeiters und den Umgang mit diesem. Nur, was wahrgenommen wird, kann anschließend ins Gespräch gebracht werden.

    Die Messung der Herzratenvariabilität – unser Kommunikationsmittel

    Belastung und Erholung sind subjektiv und individuell verschieden. Daher ist ein Medium notwendig, mit dem sie sichtbar und quantifizierbar gemacht werden können. Dies wird durch die Messung der Herzratenvariabilität (HRV) möglich. Sie integriert die körperliche und psychische Belastung bzw. Erholung, ist valide und hängt mit relevanten Endpunkten (Morbidität, Mortalität) zusammen. Insbesondere ihre graphische Auswertung ist gut zu kommunizieren und sie ist im Alltag einfach und nicht-invasiv zu messen.

    Die Beratung – Translation der Ergebnisse in den Alltag

    Das Herzstück stellt die Beratung dar, die sich auf die Messung sowie auf die per Fragebogen und im Gespräch erhobenen Informationen der Führungskraft stützt. Im Rahmen dieser Beratung werden die wichtigsten persönlichen Ressourcen ebenso wie die wichtigsten Stressoren herausgearbeitet. Anhand der Grafiken wird sichtbar, wo „Raubbau am eigenen Körper“ betrieben oder wann „aufgetankt“ wird. Die in der HRV deutlich sichtbaren Auswirkungen motivieren zu einem wohlwollenden Umgang mit sich selbst, denn nicht der härteste gewinnt den Marathon des Arbeitslebens, sondern der, der mit sich selbst gut umgeht und seine Ressourcen sinnvoll einsetzt.

    Die Evaluation – unser Prüfstein

    Ob durch die Messung und Beratung das Ziel einer verbesserten Wahrnehmung von Ressourcen und Stressoren sowie ihrer Auswirkungen auf Psyche und Körper erreicht wird, evaluieren wir mittels Fragebögen sowie mittels Wiederholungs-Messungen. 

    Die konkrete Umsetzung - direkt

    Das Projekt findet in Zusammenarbeit mit der Wieland-BKK bei der Firma Wieland in Ulm statt. Die Betriebskrankenkasse, die direkt vor Ort ihren Sitz hat, fungiert hierbei als Organisator der Termine, der Ausgabe der Messgeräte und der Fragebögen. Der Datenschutz gegenüber dem Arbeitgeber bleibt voll gewährleistet.

    Die konkrete Umsetzung über Betriebsärzte – Schulung vor Ort

    Ein weiterer Zugangsweg mit den Vorteilen „niedrigschwellig“ und „vor Ort“, aber auch „vertrauenswürdig“ und „der Schweigepflicht unterliegend“ ist über den Betriebsarzt. Dieser hat die Möglichkeit, die Messung im Rahmen einer betrieblichen Vorsorgeuntersuchung anzubieten, oder Mitarbeiter und Führungskräfte anzusprechen, die ihm gefährdet erscheinen.

    Die Auswertung und Interpretation der HRV ist jedoch komplex und kein Inhalt der üblichen arbeitsmedizinischen Weiterbildung. Daher schulen wir zunächst die Betriebsärzte in den relevanten Inhalten und supervidieren anschließend die Umsetzung.

    Dies findet aktuell in Zusammenarbeit mit dem werksärztlichen Dienst eines deutschen Automobil-Herstellers sowie der Firma Bosch statt.

    Weiterführende Infos zur HRV

    Die Messung der HRV ist ein seit Jahrzehnten weitverbreitetes, da einfaches, günstiges und nichtinvasives Instrument. Unterschieden wird eine situative Kurzzeit-Messung, welche meist als Stresstest (z.B. 5 Minuten rechnen) und als kurze Ruhemessung (meist ebenfalls 5 Min.) vorgenommen wird, von einer 24-Stunden-Messung. Wir sehen es als essentiell an, eine 24-Stunden-Messung durchzuführen, da nur so die Reaktionen im konkreten Alltag beurteilt werden können. Außerdem ist die Beurteilung der Nacht wichtig, da es Hinweise dafür gibt, dass insbesondere Störungen der Nacht mit Erkrankungen verknüpft sind, so wie z.B. ein erhöhter nächtlicher Blutdruck unabhängig vom Blutdruck am Tag mit einer erhöhten Rate an kardiovaskulären Ereignissen verknüpft ist (Hermida et al., 2014). Für die HRV konnte bereits gezeigt werden, dass eine nächtliche reduzierte HRV mit einem schlechteren Glucose-Level im Blut verknüpft ist (Jarczok, Li, Mauss, Fischer, & Thayer, 2013). 

    Auch im Arbeitskontext wurde die HRV schon untersucht; so ist erhöhter Arbeitsstress mit einer erniedrigten HRV assoziiert (Jarczok, Jarczok, et al., 2013). Ihre Bedeutung in der Arbeitsmedizin als mögliches Instrument zur Risikostratifizierung und Prävention wurde bereits mehrfach thematisiert (Böckelmann, 2012; Pfister, Böckelmann, Seibt, Stoll, & Weippert, 2007) und wird auch in einer Leitlinie besprochen (Sammito et al., 2014).

    • Böckelmann, I. (2012).
      Analyse der Herzfrequenzvariabiliät (HRV) - praktische Relevanz.
      Zbl Arbeitsmed, 62, 275–279.
    • Hermida, R. C., Moya, A., Crespo, J. J., Otero, A., Dominguez, M., Rios, M. T., … Ayala, D. E. (2014).
      Asleep blood pressure is an independent predictor of cardiovascular events: The hygia project.
      Cardiology (Switzerland).
      doi.orghttp://dx.doi.org/10.1159/000365062
    • Jarczok, M. N., Jarczok, M., Mauss, D., Koenig, J., Li, J., Herr, R. M., & Thayer, J. F. (2013).
      Autonomic nervous system activity and workplace stressors-A systematic review.
      Neuroscience and Biobehavioral Reviews, 37(8), 1810–1823.
      doi.org/10.1016/j.neubiorev.2013.07.004
    • Jarczok, M. N., Li, J., Mauss, D., Fischer, J. E., & Thayer, J. F. (2013).
      Heart Rate Variability is Associated with Glycemic Status After Controlling for Components of the Metabolic Syndrome.
      International Journal of Cardiology, 167(3), 855–861.
      doi.org/10.1016/j.ijcard.2012.02.002
    • Pfister, E. A., Böckelmann, I., Seibt, R., Stoll, R., & Weippert, M. (2007).
      Arbeitsmedizinische Bedeutung der Herzschlagfrequenzvariabilität.
      Zentralblatt Für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie, 57(6), 158–166.
      doi.org/10.1007/BF03349119
    • Sammito, S., Thielmann, B., Seibt, R., Klussmann,  a, Weippert, M., & Böckelmann, I. (2014).
      Leitlinie Nutzung der Herzschlagfrequenz und der Herzfrequenzvariabilität in der Arbeitsmedizin und der Arbeitswissenschaft Leitlinie Nutzung der Herzschlagfrequenz und der Herzfrequenzvariabilität in der Arbeitsmedizin und der Arbeitswissenschaft.
      Das Portal Der Wissenschaftlichen Medizin, (11), 1–60.

Gefördert durch

Arbeitsbedingungen und psychische Gesundheit in Start-up Unternehmen

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    Im Forschungsprojekt „Arbeitsbedingungen und psychische Gesundheit in Start-up Unternehmen“ untersuchen wir spezifische Arbeitsbelastungen sowie potenzielle gesundheitliche Gefährdungen, die die Arbeit in Start-up Unternehmen des Informations- und Kommunikationstechnologie-Sektors (IKT) charakterisieren.


    Hierbei werden Interviews mit Beschäftigten der IKT Branche in ausgewählten Start-up Unternehmen mit den folgenden Zielen durchgeführt:


    1. Informationen über die Arbeitsbedingungen in den Start-ups aus der Sicht der Mitarbeiter zu gewinnen. Besonderes Augenmerk wird aufspezifische Arbeitsbelastungen und arbeitsbedingte Ressourcen gelegt, die Auswirkungen auf psychische Gesundheit zur Folge haben können.

    2. Beschreibung der Qualität sozialer Beziehungen unter Kollegen und Vorgesetzten.

    3. Identifizierung der bei der Arbeit in Start-up Unternehmen relevanten Arbeitsbedingungen, die Gegenstand zu entwickelnder Interventionsansätze werden können.

    Ansprechpartner für das Forschungsprojekt ist Diego Montano

Aktuelle Studien und Projekte an der Universität Ulm

"Seelische Gesundheit am Arbeitsplatz Krankenhaus" SEEGEN

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    Gesundheit, Entstehung und Verlauf von Krankheiten sind durch sehr verschiedene Faktoren bestimmt. Insbesondere das berufliche Umfeld formt eine Vielzahl dieser Faktoren sowohl im positiven Sinne zum Beispiel durch die Chance, Anerkennung zu erfahren, kreativ und produktiv zu sein, soziale Kontakte zu knüpfen und als Ressource zur Bewältigung belastender Situationen zu verwenden. Aber auch im negativen Sinne, wenn die aus umfangreichen Anforderungen bestehende, modern verdichtete Arbeitswelt zum Beispiel Gefühle von Überforderung oder Entfremdung erzeugt.

    Das Ziel des zweistufige BMBF-Projekt SEEGEN besteht in der Entwicklung und Evaluation einer komplexen Intervention zur Gesundheitsförderung im Setting Krankenhaus.