Forschungsprojekte

Gesund führen – Körpersignale bei Führungskräften

Einführung der Messung, Auswertung und Beratung zur Herzratenvariabilität bei Führungskräften im Rahmen einer Check-Up-Untersuchung durch den Werksarzt bei einem deutschen Automobil-Hersteller

Gesunde Führungskräfte – unser Ziel

Gute Führung dient u.a. dem Erhalt der Gesundheit der Mitarbeiter. Eine Voraussetzung dafür ist die Wahrnehmung des Zusammenhangs von psychosozialen Belastungen und Gesundheit. Diese Wahrnehmung ist auch für die Führungskraft selber wichtig um ihre eigene Gesundheit zu bewahren und langfristig gut führen zu können.

Die Messung der Herzratenvariabilität – unser Kommunikationsmittel

Psychosoziale Belastungen sind komplex, ebenso wie ihre Auswirkungen, sodass die Wertung ihrer Bedeutung oft sehr subjektiv erscheint. Daher ist ein Kommunikationsmittel notwendig, mit dem sie sichtbar und quantifizierbar gemacht werden können. Dies wird durch die Messung der Herzratenvariabilität (HRV) möglich. Sie integriert die körperliche und psychische Belastung bzw. Erholung, ist valide und hängt mit relevanten Endpunkten (Morbidität, Mortalität) zusammen. Insbesondere ihre graphische Auswertung ist gut zu kommunizieren und sie ist im Alltag einfach und nicht-invasiv zu messen.

Die Umsetzung im Check-Up – Schulung der Betriebsärzte

Um möglichst viele Führungskräfte zu erreichen, soll die HRV-Messung den Führungskräften niedrigschwellig angeboten werden. Wichtig ist auch, dass das Angebot durch eine vertrauenswürdige Person erfolgt, die der Schweigepflicht unterliegt und idealerweise auch über die Messung hinaus ein Ansprechpartner für die Gesundheit der Führungskraft ist. Dies trifft auf den Betriebsarzt zu, und eine betriebliche Vorsorgeuntersuchung stellt einen guten Rahmen für die HRV-Messung dar.

Die Auswertung und Interpretation der HRV ist jedoch komplex und kein Inhalt der üblichen arbeitsmedizinischen Ausbildung. Daher schulen wir zunächst die Betriebsärzte in den relevanten Inhalten und supervidieren anschließend die Umsetzung.

Evaluation

Ob wir unser Ziel, den Zusammenhang von psychosozialen Belastungen und Gesundheit besser wahrzunehmen, tatsächlich erreichen, muss erst überprüft werden. Daher ist das Projekt als Studie geplant und wird mittels Fragebögen evaluiert.

Weiterführende Infos zur HRV

Die Messung der HRV ist ein seit Jahrzehnten weitverbreitetes, da einfaches, günstiges und nichtinvasives Instrument. Unterschieden wird eine situative Kurzzeit-Messung, welche meist als Stresstest (z.B. 5 Minuten rechnen) und als kurze Ruhemessung (meist ebenfalls 5 Min.) vorgenommen wird, von einer 24-Stunden-Messung. Wir sehen es als essentiell an, eine 24-Stunden-Messung durchzuführen, da es Hinweise dafür gibt, dass insbesondere Störungen der Nacht mit Erkrankungen verknüpft sind, so wie z.B. ein erhöhter nächtlicher Blutdruck unabhängig vom Blutdruck am Tag mit einer erhöhten Rate an kardiovaskulären Ereignissen verknüpft ist (Hermida et al., 2014). Für die HRV konnte bereits gezeigt werden, dass eine nächtliche reduzierte HRV mit einem schlechteren Glucose-Level im Blut verknüpft ist (Jarczok, Li, Mauss, Fischer, & Thayer, 2013). 

Auch im Arbeitskontext wurde die HRV schon untersucht; so ist erhöhter Arbeitsstress mit einer erniedrigten HRV assoziiert (Jarczok, Jarczok, et al., 2013). Ihre Bedeutung in der Arbeitsmedizin als mögliches Instrument zur Risikostratifizierung und Prävention wurde bereits mehrfach thematisiert (Böckelmann, 2012; Pfister, Böckelmann, Seibt, Stoll, & Weippert, 2007) und wird auch in einer Leitlinie besprochen (Sammito et al., 2014).

  • Böckelmann, I. (2012).
    Analyse der Herzfrequenzvariabiliät (HRV) - praktische Relevanz.
    Zbl Arbeitsmed, 62, 275–279.
  • Hermida, R. C., Moya, A., Crespo, J. J., Otero, A., Dominguez, M., Rios, M. T., … Ayala, D. E. (2014).
    Asleep blood pressure is an independent predictor of cardiovascular events: The hygia project.
    Cardiology (Switzerland).
    doi.orghttp://dx.doi.org/10.1159/000365062
  • Jarczok, M. N., Jarczok, M., Mauss, D., Koenig, J., Li, J., Herr, R. M., & Thayer, J. F. (2013).
    Autonomic nervous system activity and workplace stressors-A systematic review.
    Neuroscience and Biobehavioral Reviews, 37(8), 1810–1823.
    doi.org/10.1016/j.neubiorev.2013.07.004
  • Jarczok, M. N., Li, J., Mauss, D., Fischer, J. E., & Thayer, J. F. (2013).
    Heart Rate Variability is Associated with Glycemic Status After Controlling for Components of the Metabolic Syndrome.
    International Journal of Cardiology, 167(3), 855–861.
    doi.org/10.1016/j.ijcard.2012.02.002
  • Pfister, E. A., Böckelmann, I., Seibt, R., Stoll, R., & Weippert, M. (2007).
    Arbeitsmedizinische Bedeutung der Herzschlagfrequenzvariabilität.
    Zentralblatt Für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie, 57(6), 158–166.
    doi.org/10.1007/BF03349119
  • Sammito, S., Thielmann, B., Seibt, R., Klussmann,  a, Weippert, M., & Böckelmann, I. (2014).
    Leitlinie Nutzung der Herzschlagfrequenz und der Herzfrequenzvariabilität in der Arbeitsmedizin und der Arbeitswissenschaft Leitlinie Nutzung der Herzschlagfrequenz und der Herzfrequenzvariabilität in der Arbeitsmedizin und der Arbeitswissenschaft.
    Das Portal Der Wissenschaftlichen Medizin, (11), 1–60.

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Aktuelle Studien und Projekte an der Universität Ulm

"Seelische Gesundheit am Arbeitsplatz Krankenhaus" SEEGEN

Gesundheit, Entstehung und Verlauf von Krankheiten sind durch sehr verschiedene Faktoren bestimmt. Insbesondere das berufliche Umfeld formt eine Vielzahl dieser Faktoren sowohl im positiven Sinne zum Beispiel durch die Chance, Anerkennung zu erfahren, kreativ und produktiv zu sein, soziale Kontakte zu knüpfen und als Ressource zur Bewältigung belastender Situationen zu verwenden. Aber auch im negativen Sinne, wenn die aus umfangreichen Anforderungen bestehende, modern verdichtete Arbeitswelt zum Beispiel Gefühle von Überforderung oder Entfremdung erzeugt.

Das Ziel des zweistufige BMBF-Projekt SEEGEN besteht in der Entwicklung und Evaluation einer komplexen Intervention zur Gesundheitsförderung im Setting Krankenhaus.